{"id":44,"date":"2015-12-15T22:03:36","date_gmt":"2015-12-15T22:03:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maerchendrechsler.de\/wordpress\/?p=44"},"modified":"2015-12-15T22:03:36","modified_gmt":"2015-12-15T22:03:36","slug":"maerchen-des-monats-dezember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maerchendrechsler.de\/wordpress\/maerchen-des-monats-dezember\/","title":{"rendered":"M\u00e4rchen des Monats &#8211; Dezember"},"content":{"rendered":"<div id=\"gutenb\">\n<h2 class=\"title\">Der Nusskaspar<\/h2>\n<p>Wenn man von N\u00fcrnberg aus nach Norden schaut, so stellt sich dem Auge das ber\u00fchmte Knoblauchland dar. Dort liegen mehrere anmutige D\u00f6rfchen, die von den N\u00fcrnbergern eifrig besucht werden.<br \/>\nIn einer dieser Ortschaften lebte vor vielen Jahren ein B\u00e4uerlein, &#8218;Nu\u00dfkaspar&#8216; genannt, weil auf seinen B\u00e4umen die sch\u00f6nsten N\u00fcsse wuchsen. Er trieb wie seine Nachbarn G\u00e4rtnerei und verlegte sich vorz\u00fcglich auf den Anbau von Knoblauch. Allein dem guten Mann missgl\u00fcckte fast alles, was er unternahm. Bald wurde er durch bedeutende Verluste in Schulden gebracht, bald von den Nachbarn bestohlen, dann wieder vernichteten Wind und Wetter seine Garten und Feldfr\u00fcchte, oder b\u00f6se Buben holten ihm die N\u00fcsse von den B\u00e4umen.<br \/>\nDieses andauernde Missgeschick verdross den Bauern endlich und nahm ihm die Lust, sich ferner zu plagen, zumal da er bemerkte, wie bei den Nachbarn alles aufs beste gedieh und ihr Wohlstand t\u00e4glich zunahm. Daher wurde er nach und nach in der Aus\u00fcbung seines Gewerbes l\u00e4ssiger, fluchte mehr als er betete, und ergab sich zuletzt dem Trunke, so dass er meistens, wenn er mit Knoblauch und anderen Gem\u00fcsen zur Stadt gefahren war, leicht an Geld, daf\u00fcr aber mit schwerem Kopf nach Hause zur\u00fcckkehrte. Durch diesen Lebenswandel wurde nicht nur sein K\u00f6rper, sondern auch sein Verm\u00f6gen so zerr\u00fcttet, dass er mehrfach Geld aufnehmen musste, schlie\u00dflich von seinen Gl\u00e4ubigern hart bedr\u00e4ngt wurde und zu ihrer Befriedigung zuletzt bald ein Grundst\u00fcck, bald irgend etwas aus seinem Hausrat zu ver\u00e4u\u00dfern gen\u00f6tigt war.<br \/>\nWieder einmal war der Nusskaspar am letzten Tag des Jahres wie so oft bis zum sp\u00e4ten Abend in der Stadt geblieben, hatte sich einen t\u00fcchtigen Rausch angetrunken und taumelte nun den Burgweg hinauf. Unweit der Stelle, wo Christus am \u00d6lberg abgebildet ist, setzte er sich auf einen beschneiten Steinblock, um auszuruhen, und schlief ein. Die Zerrbilder get\u00e4uschter Hoffnungen umgaukelten ihn in w\u00fcsten Tr\u00e4umen, so dass er \u00f6fters auffuhr und gr\u00e4ssliche Fl\u00fcche ausstie\u00df. Eben zeigte die Glocke vom nahen Sebaldusturm den Eintritt der Geisterstunde, als er abermals in die H\u00f6he fuhr und in einem Zustande zwischen Schlaf und Wachen z\u00e4hneklappernd vor sich hinmurmelte: \u00bbWill mich Gott nicht retten, so muss mir der Teufel helfen!\u00ab<br \/>\nMit diesen Worten erwachte er, rieb sich die Augen und wollte aufstehen, allein ein gewaltiger Schrecken warf ihn auf seinen kalten Sitz zur\u00fcck; vor ihm stand ein Mann in J\u00e4gertracht, der ihn anredete: \u00bbEi, Alterchen, was treibst du hier in der frostigen Winternacht?\u00ab<br \/>\nKaspar fragte g\u00e4hnend: \u00bbWo bin ich, Herr, und was wollt Ihr von mir?\u00ab<br \/>\nDarauf erwiderte der J\u00e4ger: \u00bbIch h\u00f6rte im Vor\u00fcbergehen, dass du Hilfe brauchst, und ich will sie leisten, wenn es in meinen Kr\u00e4ften steht, aber \u2013 ich will von dir darum gebeten sein.\u00ab<br \/>\nKaspar schilderte nun unter best\u00e4ndigen Verw\u00fcnschungen seine traurige Lage, fiel auf die Knie und rief in unbegreiflicher Herzensangst: \u00bbIch flehe Euch fu\u00dff\u00e4llig an, helft mir, helft mir, und w\u00e4ret Ihr der B\u00f6se selbst; mir gleich, wenn mir nur geholfen wird; denn Gott hat mich ohnedies verlassen.\u00ab<br \/>\n\u00bbNun wohl,\u00ab entgegnete der Fremde, \u00bbwenn du mir versprichst, weder deinem Weib noch einem anderen Menschen auch nur eine Silbe davon zu verraten, so will ich dein Besch\u00fctzer sein und dir helfen. Kehre getrost heim, pfl\u00fccke von dem gro\u00dfen Nussbaum. der in der linken Ecke deines Gartens steht, so viel N\u00fcsse, als dir beliebt; diese werden sich in Gold verwandeln und dich instand setzen, nicht nur deine Schulden zu bezahlen, sondern auch ohne M\u00fche und Arbeit gut leben zu k\u00f6nnen. Doch wisse, geht nur ein Wort von meinem Angebot \u00fcber deine Lippen, so sinkst du in deine fr\u00fchere Armut zur\u00fcck, wirst ein Raub der Verzweiflung und sollst auch im Grab keine Ruhe finden. Du musst dann in jeder Silvesternacht deinem Grabe entsteigen und hier an dieser Stelle goldene N\u00fcsse feil halten; ja, du wirst auch andere noch mit ins Verderben hinabziehen, und deine Seele ist mir verfallen.\u00ab<br \/>\nMit diesen Worten verschwand die geheimnisvolle Erscheinung.<br \/>\nDa\u00df der freundliche Helfer der leibhaftige Gottseibeiuns war, ist leicht zu erraten.<br \/>\nKaspar war demnach in sehr schlimme H\u00e4nde gefallen. Er taumelte noch halb trunken mit schlotternden Knien nach Hause. Sein Weib, das ohnehin zur Sorte jener Menschen geh\u00f6rte, denen Zanken und Murren zur zweiten Natur geworden ist, empfing ihn vom Bett aus mit heftigen Scheltworten. Er aber blieb ruhig und dachte: \u00bbSchrei nur, du Zankteufel, soviel du willst; habe ich einmal die goldenen N\u00fcsse, dann wirst du schon anders singen!\u00ab Damit nahm er eine Laterne, z\u00fcndete das Licht an und schlich in den Garten hinaus. Hier stellte er sich vor den bezeichneten Baum und schielte hinauf, um zu sehen, ob die N\u00fcsse wirklich von Gold seien. Endlich bestieg er zagend den Baum, griff zitternd nach einer der Fr\u00fcchte, f\u00fcllte dann so schnell als m\u00f6glich alle Taschen damit, und siehe, die N\u00fcsse waren reines, funkelndes Gold. Darauf versteckte er seinen Schatz in der Scheune und ging zu Bett.<br \/>\nBei Tagesanbruch stahl sich der steinreiche Ehemann, dessen Gewissen nun schon eingeschl\u00e4fert war, still weg zum Geschenke des h\u00f6llischen J\u00e4gers, um es teilweise in der nahen Stadt in Geld umzusetzen. Sodann zahlte er seine Schulden und lebte herrlich und in Freuden.<br \/>\nAber dieses Gl\u00fcck sollte nicht lange dauern; denn der gute Nusskaspar verga\u00df im Taumel der Ausschweifungen nur zu bald, was er dem Teufel versprochen hatte. In einem traulichen St\u00fcndchen beichtete er seiner Frau, die sich durch den unvermuteten Wohlstand vollst\u00e4ndig mit ihm ausges\u00f6hnt hatte, den ganzen Hergang der Sache. Als er aber am n\u00e4chsten Morgen sein Geld herbeiholen wollte, da war der Beutel federleicht und enthielt statt harter Taler nur Kohlenstaub, und anstatt der goldenen fanden sich nur nat\u00fcrliche und gr\u00f6\u00dftenteils wurmstichige N\u00fcsse im Schrank. So von der H\u00f6he des Gl\u00fcckes in das bitterste Elend hinabgeschleudert, wurde dem Kaspar das Leben eine unertr\u00e4gliche Last.<br \/>\nDer Teufel hielt besser Wort als Kaspar; denn es ging alles in Erf\u00fcllung, was er f\u00fcr den Fall des Wortbruches vorausgesagt hatte. Als der Silvesterabend wieder anbrach, stand wirklich zur Mitternachtszeit ein kleines B\u00e4uerlein in der Tracht der Knoblauchh\u00e4ndler mit einem Korb am \u00d6lberg und \u00e4chzte unter verzweifeltem H\u00e4nderingen: \u00bbKauft N\u00fcsse, kauft N\u00fcsse!\u00ab<br \/>\nViele Jahre nach diesem Ereignis sa\u00dfen am Silvesterabend mehrere B\u00fcrger nicht weit vom \u00d6lberg im Gasthaus zum Burggrafen bei einem Krug Weizenbier. Unter diesen war auch ein redseliger Zinngie\u00dfermeister, der wegen seiner Klugheit in gro\u00dfem Ansehen stand. Die Unterhaltung drehte sich um die alte Sage vom Nusskaspar am \u00d6lberg. \u00bbAberglaube, heidnische Finsternis!\u00ab eiferte Meister Zinngie\u00dfer, der Wortf\u00fchrer. \u00bbWer wird so albern sein, an Teufel und Geister zu glauben?\u00ab<br \/>\n\u00bbWas, Nachbar?\u00ab fiel ihm ein belesener Zirkelschmied in die Rede, \u00bbhabt Ihr denn nicht gelesen, da\u00df Doktor Martin Luther dem Teufel das Tintenfass nachgeworfen hat? Ist Euch nicht bekannt, dass der Satan Jesum in Versuchung f\u00fchrte?\u00ab<br \/>\n\u00bbDas ist etwas anderes,\u00ab unterbrach ihn der Zinngie\u00dfer, und gerade als er weiterreden wollte, erscholl von der Wanduhr die zw\u00f6lfte Stunde. Da schlug der Meister unwillig auf den Tisch und schrie: \u00bbDamit ihr aber seht, da\u00df an der ganzen Sache nichts ist und jeder ein Narr, der so unsinnige Dinge glaubt, so wollen wir auf den \u00d6lberg gehen, um uns zu \u00fcberzeugen, ob der Nusskaspar wirklich seine N\u00fcsse feil h\u00e4lt. Mein Hab und Gut setz, ich daran, da\u00df ich euch auslachen werde.\u00ab<br \/>\nHierauf nahm er seine Pelzm\u00fctze und eilte der T\u00fcre zu; doch von den \u00fcbrigen G\u00e4sten hatte keiner Lust, ihn zu begleiten. Stockfinster war&#8217;s, und nur der schimmernde Schnee erleuchtete die Umgebung. Da kam es dem Zinngie\u00dfer wirklich so vor, als ob er in der N\u00e4he des \u00d6lberges die Gestalt eines Menschen wahrnehme, und er blieb stehen. Es fr\u00f6stelte ihn, aber die Vorstellung, von den Freunden verspottet zu werden, wenn er unverrichteter Dinge zur\u00fcck k\u00e4me, fl\u00f6\u00dfte ihm Mut ein; er wollte der Sache auf den Grund gehen.<br \/>\nAlso schritt der Zinngie\u00dfer langsam n\u00e4her und rief mit lauter Stimme: \u00bbWer da?\u00ab \u2013 Keine Antwort! \u2013 Pl\u00f6tzlich stand ein kleines unheimliches Wesen ganz nahe vor ihm, stierte ihn mit Grabesaugen an und deutete mit dem Zeigefinger der rechten Hand in den vor ihm stehenden Korb. Unser Zinngie\u00dfer stand wie an den Boden gewurzelt und kreischte mit kaum verst\u00e4ndlichen Lauten : \u00bbAlle guten Geister loben Gott den Herrn!\u00ab Fast besinnungslos griff er sodann in den Korb, nahm daraus, was er mit seinen zehn Fingern fassen konnte, und st\u00fcrzte ohnm\u00e4chtig zusammen.<br \/>\nAls er wieder zur Besinnung gekommen war, blickte er um sich.<br \/>\nAber er sah kein Wesen mehr, weder vor noch hinter sich. Jetzt fasste er wieder Mut und sch\u00e4mte sich seines Schreckens. Doch welches Erstaunen trat an die Stelle der Furcht, als er auf den schneebedeckten Boden blickte und ihm gl\u00e4nzendes Gold entgegen funkelte! Schnell raffte er die goldenen Dinger zusammen und eilte dem Burggrafen zu. Die Gesellschaft begr\u00fc\u00dfte ihn, als w\u00e4re er von den Toten auferstanden, und war sehr gespannt zu h\u00f6ren, was er erlebt habe. Und der Meister erz\u00e4hlte sein Abenteuer, indem er zum Beweis einige goldene N\u00fcsse aus der Tasche nahm und auf den Tisch hinrollte.<br \/>\nDa war auf einmal alle Gro\u00dfsprecherei verstummt; denn nicht ohne heimliches Grauen sah man die gl\u00e4nzenden Beweise vor Augen. Der Zinngie\u00dfer aber entfernte sich bald und suchte freudetrunken sein Nachtlager auf. Allein der Schlaf floh ihn diese und noch manch andere Nacht; denn ihn qu\u00e4lten Zukunftspl\u00e4ne und die Sorge um die Vermehrung des unheilvollen Geldes. Mit seinem Gl\u00fcck war zugleich das Ungl\u00fcck in seine vier W\u00e4nde eingezogen. Aus dem zufriedenen Meister war ein griesgr\u00e4miger Sauertopf geworden. Durch unkluge Unternehmungen verlor er manches sch\u00f6ne Kapital, und nach wenigen Jahren bewahrheitete sich an ihm das Sprichwort: Wie gewonnen, so zerronnen. Doch als er immer \u00e4rmer wurde, machte die Not seinem jammervollen Leben ein Ende.<br \/>\nUnd es erf\u00fcllte sich des Teufels Vorhersage, der Nusskaspar werde auch noch andere mit ins Verderben ziehen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Nusskaspar Wenn man von N\u00fcrnberg aus nach Norden schaut, so stellt sich dem Auge das ber\u00fchmte Knoblauchland dar. Dort liegen mehrere anmutige D\u00f6rfchen, die von den N\u00fcrnbergern eifrig besucht werden. In einer dieser Ortschaften lebte vor vielen Jahren ein B\u00e4uerlein, &#8218;Nu\u00dfkaspar&#8216; genannt, weil auf seinen B\u00e4umen die sch\u00f6nsten N\u00fcsse wuchsen. 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