{"id":64,"date":"2016-02-03T21:19:17","date_gmt":"2016-02-03T21:19:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maerchendrechsler.de\/wordpress\/?p=64"},"modified":"2016-02-03T21:19:18","modified_gmt":"2016-02-03T21:19:18","slug":"maerchen-des-monats-februar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maerchendrechsler.de\/wordpress\/maerchen-des-monats-februar\/","title":{"rendered":"M\u00e4rchen des Monats &#8211; Februar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hedley Kow<\/strong><br \/>\nDa war einmal eine alte Frau, die verdiente sich ihren armseligen Lebensunterhalt, indem sie f\u00fcr die Bauersfrauen rund um das Dorf, in dem sie lebte, Boteng\u00e4nge und dergleichen machte. Es war nicht viel, was sie damit verdiente, aber mit einem Teller Fleisch in einem Haus und einer Tasse Tee in einem anderen schaffte sie es, so irgendwie durchzukommen, und immer schaute sie so fr\u00f6hlich drein, als ob es ihr in dieser Welt an nichts fehlte.<\/p>\n<p>Nun, als sie an einem Sommerabend heimw\u00e4rts trottete, stie\u00df sie auf einen gro\u00dfen schwarzen Topf, der am Wegrand lag. Sie blieb stehen, um ihn anzuschauen, und sagte: \u00bbAlso das da w\u00e4re genau das Richtige f\u00fcr mich, wenn ich etwas hineintun m\u00f6chte! Aber wer kann das hier liegengelassen haben?\u00ab Und sie sah sich rings um und meinte, der, dem der Topf geh\u00f6rte, k\u00f6nnte nicht weit weg sein. Aber sie konnte niemanden sehen. \u00bbVielleicht hat er ein Loch\u00ab, sagte sie nachdenklich, \u00bbei ja, das wird&#8217;s sein, weshalb sie ihn hier liegengelassen haben, Sch\u00e4tzchen. Aber dann m\u00fcsste er gut dazu taugen, darin eine Blume ans Fenster zu stellen. Ich mein, ich nehm ihn mit nach Hause, f\u00fcr alle F\u00e4lle.\u00ab Und sie kr\u00fcmmte ihren alten steifen R\u00fccken und hob den Topfdeckel auf, um hineinzusehen. \u00bbLieber Himmel!\u00ab rief sie und tat einen Satz auf die andere Seite des Weges, \u00bbwenn der nicht randvoll mit Goldst\u00fccken ist!\u00ab<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Zeitlang konnte sie gar nichts anderes machen, sie ging nur immerfort um ihren Schatz herum und staunte das gelbe Gold an und wunderte sich \u00fcber ihr gro\u00dfes Gl\u00fcck und sagte jeden zweiten Augenblick zu sich selbst: \u00bbNa, ich komme mir aber jetzt wirklich reich und gro\u00dfartig vor!\u00ab Aber sie begann alsbald zu \u00fcberlegen, wie sie den Topf mit sich nach Hause nehmen k\u00f6nnte, und sie sah keinen anderen Weg, als das eine Ende ihres Halstuches an ihm festzubinden und ihn so hinter sich die Stra\u00dfe entlang zu ziehen.<\/p>\n<p>\u00bbEs ist sicher bald dunkel\u00ab, sagte sie zu sich, \u00bbund die Leute werden nicht sehen, was ich mir heimbringe, und so habe ich die ganze Nacht f\u00fcr mich zum Nachdenken, was ich damit machen werde. Ich k\u00f6nnte ein gro\u00dfes Haus und all so was kaufen und wie die K\u00f6nigin selbst leben, und ich m\u00fcsste den ganzen Tag keinen Handgriff tun, nur neben dem Feuer sitzen mit einer Tasse Tee. Oder vielleicht werde ich ihn dem Pfarrer geben, damit er ihn f\u00fcr mich aufbewahrt, und ich hole mir nur dann etwas, wenn ich etwas brauche; oder vielleicht werde ich ihn einfach am Gartenende in einem Loch vergraben und nur ein bisschen auf den Kaminsims legen, zwischen die porzellanene Teekanne und die L\u00f6ffel &#8211; so als Verzierung. Ach, ich komme mir so gro\u00dfartig vor, ich kenne mich selbst nicht mehr richtig!\u00ab<\/p>\n<p>Mittlerweile war sie vom Nachziehen einer so schweren Last schon ziemlich m\u00fcde geworden, und so blieb sie stehen, um einen Augenblick auszuruhen, und drehte sich um, um sich zu vergewissern, dass ihr Schatz in Sicherheit war. Aber als sie ihn anschaute, war das keineswegs ein Topf mit Gold, sondern ein gro\u00dfer Klumpen schimmerndes Silber. Sie starrte ihn an, rieb sich die Augen und starrte ihn wieder an, aber sie konnte ihn nicht dazu bringen, nach irgendetwas anderem auszusehen als nach einem gro\u00dfen Klumpen schimmerndem Silber!<\/p>\n<p>\u00bbIch h\u00e4tte schw\u00f6ren k\u00f6nnen, dass es ein Topf mit Gold war\u00ab, sagte sie schlie\u00dflich, \u00bbaber da muss ich wohl getr\u00e4umt haben. Ei ja, der Tausch ist noch besser; es wird viel weniger M\u00fche machen, sich darum zu k\u00fcmmern, und man kann es nicht so leicht stehlen. Es h\u00e4tte &#8217;ne Menge \u00c4rger gegeben, diese Goldst\u00fccke dort zu verwahren &#8211; ach ja, gut, dass ich sie los bin, und mit meinem h\u00fcbschen Silberklumpen bin ich so reich, wie ich nur reich sein kann!\u00ab<\/p>\n<p>Und sie machte sich wieder auf den Weg nach Hause und dachte sich voller Fr\u00f6hlichkeit aus, was sie alles f\u00fcr gro\u00dfartige Dinge mit ihrem Geld machen w\u00fcrde. Es dauerte aber nicht sehr lange, da war sie wieder m\u00fcde geworden und hielt aufs Neue an, um einen Augenblick oder zwei auszuruhen. Wieder drehte sie sich um und schaute nach ihrem Schatz, und sobald sie ihre Augen darauf richtete, schrie sie auf vor Verwunderung. \u00bbDu meine G\u00fcte!\u00ab sagte sie, \u00bbjetzt ist&#8217;s ein Klumpen Eisen! Na, das \u00fcbertrifft alles, das ist wirklich gerade das Rechte f\u00fcr mich! Ich kann es verkaufen so einfach wie nur etwas und krieg einen Haufen Penny-St\u00fccke daf\u00fcr. Ei ja, Sch\u00e4tzchen, und das ist so viel handlicher als &#8217;ne Menge von dem Gold und Silber, das mich in der Nacht nicht h\u00e4tte schlafen lassen, weil ich immer gedacht h\u00e4tte, die Nachbarn wollten mir&#8217;s rauben &#8211; aber das ist eine richtig feine Sache, die man bei sich zu Hause haben kann, kannst nie wissen, ob du&#8217;s nicht brauchen wirst, und verkaufen kann man&#8217;s &#8211; ei ja, einfach f\u00fcr &#8217;ne Menge. Von wegen reich, ich werd mich im Geld w\u00e4lzen!\u00ab<\/p>\n<p>Und sie trottete wieder weiter und kicherte dabei \u00fcber ihr Gl\u00fcck in sich hinein, bis sie dann einen Blick \u00fcber die Schulter warf, \u00bbnur um sicher zu sein, dass das Ding immer noch da war\u00ab, wie sie zu sich sagte. \u00bbI du mein!\u00ab schrie sie, sobald sie es sah, \u00bbna, wenn das nicht verschwunden und zu einem gro\u00dfen Stein geworden ist! Aber, wie konnte er gewusst haben, dass ich gerade so etwas schrecklich n\u00f6tig brauche, um meine T\u00fcr damit offen halten zu k\u00f6nnen? Ei, wenn das nicht ein guter Tausch ist! Sch\u00e4tzchen, das ist eine feine Sache, wenn man soviel Gl\u00fcck hat!\u00ab<\/p>\n<p>Und in aller Eile, weil sie sehen wollte, wie der Stein im Eck an ihrer T\u00fcr aussehen w\u00fcrde, trottete sie den H\u00fcgel hinab und blieb unten stehen, neben ihrem eigenen kleinen Gatter. Als sie es aufgeklinkt hatte, drehte sie sich um und wollte ihr Halstuch von dem Stein l\u00f6sen, der diesmal unver\u00e4ndert und friedlich neben ihr auf dem Pfad zu liegen schien. Es war immer noch hell genug, und sie konnte den Stein ziemlich klar sehen, als sie ihren steifen R\u00fccken \u00fcber ihn beugte, um das Ende des Tuches loszumachen; da aber, ganz pl\u00f6tzlich, schien er einen Sprung zu machen und einen Quieker, und in einem Augenblick wuchs er zur Gr\u00f6\u00dfe eines gro\u00dfen Pferdes; dann warf es vier schm\u00e4chtige Beine von sich und sch\u00fcttelte zwei lange Ohren heraus, brachte einen Schwanz hervor und rannte davon, indem es mit den Beinen in die Luft ausschlug und lachte wie ein ungezogener, spottender Lausebengel.<\/p>\n<p>Die alte Frau starrte dem Ding nach, bis es fast nicht mehr zu sehen war. \u00bbNa aber\u00ab, sagte sie schlie\u00dflich, \u00bbich bin doch wirklich der gl\u00fccklichste Mensch hier herum! Stell dir vor, da sehe ich Hedley Kow so ganz allein f\u00fcr mich und gehe noch so frei mit ihm um! Ich kann dir sagen, ich komme mir ja so gro\u00dfartig vor.\u00ab Und sie ging in ihre H\u00fctte und setzte sich ans Feuer, um \u00fcber ihr gro\u00dfes Gl\u00fcck nachzudenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>aus More English\u00a0Fairy Tales, Joseph Jacobs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hedley Kow Da war einmal eine alte Frau, die verdiente sich ihren armseligen Lebensunterhalt, indem sie f\u00fcr die Bauersfrauen rund um das Dorf, in dem sie lebte, Boteng\u00e4nge und dergleichen machte. 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